Betriebsbesichtigung der Schellenschmiede durch den Kath. Männerverein Bülach am 24.10.2026
Die Esse ist angefacht…, die Funken stieben…
Am 24. Oktober 2026 reisten unentwegte 15 Personen des Kath. Männervereins mit Partnerinnen per Bahn und Bus nach «Gossau SG, Fennhof».
An der Grenze zum Appenzellerland erwanderten wir im hügeligen Gelände den abseits gelegenen Weiler. Früher war hier eine Pulverfabrik und heute verbirgt das Gehöft eine höchst interessante Schmiede für klangvolle Schellen. Peter Preisig, der begeisterte Schellenschmied, empfing uns mit Schellenklängen und begrüsste uns vor dem Gebäude in schönem Appenzeller Dialekt.
Das Herbstwetter war trocken aber kühl, im Innern der Schmiede war es dann recht behaglich. Auch für Hansruedi Riesen im Rollstuhl hatte es genügend Platz. Wir befanden uns in einer richtigen Schmiede mit Esse. Ambos, Hammer, Zangen und viel Blechmaterial, alles schön geordnet.
Peter Preisig zeigte anhand von Einzelschritten, wie die Treicheln oder kleinere runde Schelle entstehen. Das rohe Stahlblech wird ausgesucht und zugeschnitten, dann wird das rotglühende Material geschmiedet, zwischengewärmt, weiter geschmiedet bis die gewünscht Form erreicht wird.
Das Schmieden braucht Energie und Kraft, das spürte Karl Horat als er als Zuschläger mitwirkte. Auf dem Ambos wurde das glühende Material verformt und verfestigt. Für mich war eindrücklich, wie der Schmied links- oder rechtshändig wuchtig hämmerte, einfach so wie es die Form benötigte. Auf die Frage nach seiner körperlichen Kondition antwortete er: «Abends brauche er keinen Nuggi zum Einschlafen».
Die Schelle soll einen schönen Klang erhalten. Wir lernten, wie verschiedene Materialien, verschiedene Dicken des Stahles die Klangfarbe verändern.
Zu guter letzt werden die fertig geschmiedeten Schellen noch eingepackt mit einer speziellen Lehmschicht, auf der Innenseite mit Messingsplitter bestückt. Das ganze eingebacken und mit Holzscheiten erhitzt auf ca. 1500 Grad C. Die Messingsplitter überziehen dann das Material und machen es schön glänzend in Messingfarben.
Zum Schluss werden die Schellen noch gestimmt. So sollen sie einen der drei Töne des ersten Taktes von «Stille Nacht» erhalten. Die Kunst des Feinstimmens mussten wir dem Schmied überlassen. Drei grosse Schellen auf dem Tisch bewiesen die drei Klangfarben.
Diese Schellen sind natürlich ein Luxusprodukt einer Treichel und kosten auch einiges. Sie haben grossen Liebhaberwert.
Wir alle waren begeistert von der guten didaktischen Einführung in dieses einzigartige Handwerk.
Zum Abschluss lud uns Peter Preisig in die heimeligen Gaststube ein. Diese ist geschmückt mit Schellen verschiedener Arten, mit Appenzeller Schmuck und Brauchtum, alles farbenfroh in Leder und Holz. Wir genossen den kleinen Apéro und freuten uns über das heimische Schaffen der Appenzeller. Als Organisator dankte ich Peter Preisig für die ausgezeichnete Führung und wir machten uns zeitig auf den Heimweg.
Anton Giger
Kath. Männerverein Bülach








